Der laufende Papa

DER LAUFENDE PAPA

„Wenn die sportlichen Highlights nicht mehr Wettkämpfe sind, sondern ein gemütlicher Dauerlauf mit dem Kinderwagen.“

Micky

Und dieser erste Ausflug war wahrlich ein Highlight.

Ich konnte es schon nicht mehr erwarten und dann habe ich das erste Mal mein Baby zum Laufen ausgeführt und es war großartig – für sie, die Mami und für mich.

Micky läuft mit Kinderwagen

Da läufst du jahrelang wie ein junger Hund drauf los und absolvierst dein Lauftraining frei wohin dich deine Nase führt. Sobald du aber ein kleines Würmchen hast, verschieben sich die Prioritäten plötzlich ganz gewaltig, da das kleine Wunder deine Welt auf den Kopf stellt. Das Intervalltraining spielt fürs Erste keine Rolle, die erste Geige spielt einzig und allein der neue CEO und das ist dem Fall meine Tochter.

Zeiteinteilung mit dem Partner ist in den letzten Wochen zum Non plus Ultra geworden, und weil wir das gerade ziemlich gut draufhaben können wir doch auch gleich zwei Fliegen mit einem Schlag erlegen, habe ich mir gedacht und wollte am liebsten einfach loslaufen. Als stolzer – und normalerweise laufender – Papa habe ich beim letzten Kinderarztbesuch aber lieber nochmal nachgefragt, wie das mit einem wirklich kleinen Zwutschkerl im Kinderwagen und einem flotten Tempo so wäre und ob das auch wirklich in Ordnung sei. Denn Sicherheit für Rosa steht für mich momentan an erster Stelle.

Mit einem 6 Wochen alten Baby ist es für einen Laufbuggy natürlich noch zu früh, das war mir auch klar. Das Baby muss dafür selbstständig sitzen können und davon ist unsere Rosa noch weit entfernt. Unser Jogging Stroller hat zwar super große Räder, eine umfangreichere Spurweite und längerer Radabstand… aber er muss leider noch im Keller warten, bis Rosa so weit ist.

Vorerst haben wir eine Alternative gesucht und diese in unserem Kinderwagen gefunden. Für einfache Läufe ist ein gefederter Kinderwagen mit Wanne und Lammfellsack super geeignet. Aufpassen muss man allerdings trotzdem, da man das Baby in der Wanne im Kinderwagen ja nicht anschnallen kann. Bordsteinkante, Kopfsteinpflaster und das freie Gelände sind also noch tabu.

Ich kann euch Papas nur empfehlen, mit dem Kinderwagen am Anfang einfach zu improvisieren. In unserem Fall hat alles wunderbar geklappt, Rosa und ich sind am Sonntag easy zum Donaukanal spaziert und sind dann locker und vor allem barrierefrei gejoggt. 

Meine Frau hat sich währenddessen eine Wellnesstunde bei uns im Bad gegönnt, unsere Tochter hat tief und fest „bei ihrem ersten Sportprogramm“ geschlafen und ich konnte nicht nur meine Tochter ausführen, sondern auch gleichzeitig Training absolvieren.

„Ich pfeif auf den Papamonat …“

PAPAMONAT

„Ich pfeif auf den Papamonat …
…und bleib gleich ein ganzes Jahr bei meiner Tochter.“

Micky

Just zu dem Zeitpunkt, wenn bei mir die Kinderbetreuungszeit losgeht, dreht sich in Österreich alles um den Papamonat. Was bei PsychologInnen gut ankommt, begeistert die Jungväter nicht – hierzulande nutzen nur ca. 7000 Papas den Anspruch, während es beispielsweise in Litauen fast 100% der Papas sind, die sich zumindest die ersten 30 Tage nur um Frau und Kind kümmern. Geld ist also doch ein mega Argument für viele und die 700€, die es in Österreich dafür gibt, sind offensichtlich vielen zu wenig.

Die Frage hat sich für mich erst gar nicht gestellt, denn kann Geld die Zeit mit meiner Tochter aufwiegen? Was müsste ich verdienen um ihr erstes Wort zu versäumen oder ihren ersten Schritt? Warum muss meine Frau, die jahrelang an ihrer Karriere gearbeitet hat, zu Hause bleiben und Abstriche machen, wenn ich mich darauf freue? Geht es um männlichen Stolz? Und darum, wer der Ernährer ist? 

Mich musste man nicht für die Karenz oder für die Kinderbetreuungszeit begeistern, denn für mich stand der Entschluss fest, noch bevor ich ihn ausgesprochen hatte. Nachdem ich erfahren habe, dass ich Vater werde, wollte ich ganz klar mehr als einen „Papamonat“.

Begeistert war mein damaliger Arbeitsgeber nicht, als ich gesagt habe, dass ich bei meiner Tochter bleiben werde. Von Unterstützung waren wir weit entfernt. Deswegen gab es kein langes Überlegen, sondern nur die beste Entscheidung meines Lebens: Dann bleibe ich eben gleich ein ganzes Jahr bei meinem Kind. Jetzt habe ich also einen neuen Job und einen neuen Arbeitgeber. Unser CEO ist erst 7 Wochen alt und heißt Rosa. Besser kann man es nicht erwischen!

Und das bedeutet, dass ich nicht nur die ersten Wochen, sondern gleich das erste Jahr mit meinem Baby erlebe. Es bedeutet auch, dass ich die Zeit bei Rosa bin, die ausschlaggebend für die spätere Beziehung ist und dass ich nicht nur über Bonding lese, sondern es erlebe.

Die Presse schreibt zum Papamonat außerdem vor Kurzem, „wer den Papamonat erlebt, bekommt eine Vorstellung davon, wie es Frauen beim Wiedereinstieg geht. Und erspart ihnen vielleicht den Karriereknick.“ … Und genau darauf freue ich mich auch. Darauf, dass ich meine Frau unterstütze, die ihren Job liebt und mit funkelnden Augen von ihrem Arbeitsalltag und ihrem Arbeitgeber berichtet. Ich freue mich darauf, das 50:50 Prinzip nicht nur zu besprechen, sondern auch selbst durchzuziehen.
Und am meisten freue ich mich auf die Zeit, die nie mehr zurück kommt, mit dem Wesen, das ich mehr liebe als jedes anderen zuvor. Die Zeit mit meiner Tochter Rosa.

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