PAPAMONAT

„Ich pfeif auf den Papamonat …
…und bleib gleich ein ganzes Jahr bei meiner Tochter.“

Micky

Just zu dem Zeitpunkt, wenn bei mir die Kinderbetreuungszeit losgeht, dreht sich in Österreich alles um den Papamonat. Was bei PsychologInnen gut ankommt, begeistert die Jungväter nicht – hierzulande nutzen nur ca. 7000 Papas den Anspruch, während es beispielsweise in Litauen fast 100% der Papas sind, die sich zumindest die ersten 30 Tage nur um Frau und Kind kümmern. Geld ist also doch ein mega Argument für viele und die 700€, die es in Österreich dafür gibt, sind offensichtlich vielen zu wenig.

Die Frage hat sich für mich erst gar nicht gestellt, denn kann Geld die Zeit mit meiner Tochter aufwiegen? Was müsste ich verdienen um ihr erstes Wort zu versäumen oder ihren ersten Schritt? Warum muss meine Frau, die jahrelang an ihrer Karriere gearbeitet hat, zu Hause bleiben und Abstriche machen, wenn ich mich darauf freue? Geht es um männlichen Stolz? Und darum, wer der Ernährer ist? 

Mich musste man nicht für die Karenz oder für die Kinderbetreuungszeit begeistern, denn für mich stand der Entschluss fest, noch bevor ich ihn ausgesprochen hatte. Nachdem ich erfahren habe, dass ich Vater werde, wollte ich ganz klar mehr als einen „Papamonat“.

Begeistert war mein damaliger Arbeitsgeber nicht, als ich gesagt habe, dass ich bei meiner Tochter bleiben werde. Von Unterstützung waren wir weit entfernt. Deswegen gab es kein langes Überlegen, sondern nur die beste Entscheidung meines Lebens: Dann bleibe ich eben gleich ein ganzes Jahr bei meinem Kind. Jetzt habe ich also einen neuen Job und einen neuen Arbeitgeber. Unser CEO ist erst 7 Wochen alt und heißt Rosa. Besser kann man es nicht erwischen!

Und das bedeutet, dass ich nicht nur die ersten Wochen, sondern gleich das erste Jahr mit meinem Baby erlebe. Es bedeutet auch, dass ich die Zeit bei Rosa bin, die ausschlaggebend für die spätere Beziehung ist und dass ich nicht nur über Bonding lese, sondern es erlebe.

Die Presse schreibt zum Papamonat außerdem vor Kurzem, „wer den Papamonat erlebt, bekommt eine Vorstellung davon, wie es Frauen beim Wiedereinstieg geht. Und erspart ihnen vielleicht den Karriereknick.“ … Und genau darauf freue ich mich auch. Darauf, dass ich meine Frau unterstütze, die ihren Job liebt und mit funkelnden Augen von ihrem Arbeitsalltag und ihrem Arbeitgeber berichtet. Ich freue mich darauf, das 50:50 Prinzip nicht nur zu besprechen, sondern auch selbst durchzuziehen.
Und am meisten freue ich mich auf die Zeit, die nie mehr zurück kommt, mit dem Wesen, das ich mehr liebe als jedes anderen zuvor. Die Zeit mit meiner Tochter Rosa.